Monatsarchiv für August, 2008
Unsere Olympioniken befinden sich inzwischen auf dem Weg nach Peking, doch die Reise zu den Olympischen Spielen hat schon viel früher begonnen. Der Deutsche Olympische Sportbund hat in Zusammenarbeit mit dem IOC und internationalen Sportverbänden eine Liste von Kriterien erarbeitet, die der Athlet erfüllen muss um für die Olympischen Spiele nominiert zu werden.Im Vordergrund stehen natürlich immer die sportlichen Leistungen. Die Mindestanforderungen für die betreffende Sportart müssen mindestens erbracht sein, es wird jedoch darauf geachtet, dass der Sportler eine gleichbleibend gute Leistung erbringt und nicht nur in einem Ausnahmefall die Anforderungen erfüllt hat. Sofern im Vorfeld der Olympiade eine Weltmeisterschaft stattgefunden hat, sollen bei Einzelsportarten die ersten 12, bei Mannschaftssportarten die ersten 8 Platzierten grundsätzlich für die Spiele nominiert werden. Diese Startplätze werden „Quotenstartplätze” genannt. Bei begründeten Bedenken, dass bei den Olympischen Spielen trotz einer guten Leistung bei der Weltmeisterschaft keine ernsthafte Chance einer erfolgreichen Teilnahme besteht, kann der Sportler, bzw. die Mannschaft trotzdem zurückgezogen werden.
Im Vorfeld der Endauswahl und der Nominierung müssen sich alle Sportler, deren Potential für eine Teilnahme an den Spielen ausreichen könnte, mit den Anti-Doping-Regeln des NADA einverstanden erklären. Die Athleten werden dem NADA namentlich genannt und können jederzeit von diesem einer Doping-Kontrolle unterzogen werden. Alle Sportler, die in der Zeit nach den letzten Olympischen Spielen des Dopings überführt worden sind, dürfen für die kommenden Spiele nicht vorgeschlagen werden.
Daneben werden alle für die Nominierung in Frage kommenden Aktiven, also neben den Sportlern auch Ärzte, Trainer und Funktionäre, hinsichtlich ihrer Vergangenheit überprüft. Im vorliegenden Verdachtsfall einer früheren Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit der DDR wird eine Teilnahme an den Spielen, in welcher Form auch immer, untersagt.
Sofern alle Vorraussetzungen erfüllt sind, wird der Athlet namentlich durch das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes nominiert.
Die Sportler, die letztlich zu den Spielen reisen, müssen im Vorfeld die dazugehörigen Konditionen unterzeichnen. Diese beinhalten unter anderem Ansprüche für die Rückzahlung unterstützend geleisteter Zahlungen an den Verband, wenn der Sportler im Rahmen der Spiele positiv auf Dopingmittel getestet wird.
Die Aktiven, die schlussendlich in das Flugzeug nach Peking steigen, haben also bereits eine große Hürde genommen.
04. August 2008
Aufgrund des Einmarsches sowjetischer Truppen 1979 in Afghanistan verweigerten viele Staaten die Teilnahme an den 1980 in Moskau stattfindenden Olympischen Spielen. Initiator dieses Boykotts war die USA; insgesamt 42 Staaten folgten dem Aufruf Jimmy Cartes. Folge dessen war die Nichtteilnahme aller Ostblockländer an den darauf folgenden Spielen 1984, die in Los Angeles stattfanden. Der offiziell genannte Grund der Absage waren die Bedenken um die Sicherheit um die Sportler. Nur Rumänien entzog sich diesem Gegen-Boykott und schickte Athleten in die USA.Als Gegenveranstaltung zu den Olympischen Spielen veranstalteten die 14 Länder, die nicht nach Los Angeles reisten, eine „Gegenolympiade”, die den offiziellen Namen „Wettkämpfe der Freundschaft” trug. Allein dieser Titel setzte bereits ein klares Zeichen gegenüber den nicht eingeladenen Staaten.
Entgegen der Tradition der Olympischen Spiele wurden die Wettkämpfe nicht an einem Ort ausgetragen und verzichtete auf zeremonielle Anteile. Die Wettkämpfe der insgesamt 27 Disziplinen fanden in der ehemaligen UDSSR, der Tschechoslowakei, Polen, der DDR, in Ungarn, Kuba, Nordkorea, der Mongolei und in Bulgarien statt. Da die Anreisewege der Sportler berücksichtigt wurden, verlängerte sich auch der Zeitraum dieser Ersatzolympiade und streckte sich von Juli bis September.
Zusätzlich zu den 24 Sportarten, in denen in Los Angeles Entscheidungswettkämpfe stattfanden, konnten die Athleten der Ersatzolympiade sich auch im Tennis und Tischtennis messen. Außerdem standen auch Wettkämpfe im Sambo auf dem Programm, einer russisch-sowjetischen Nahkampfart ohne Waffen.
Viele der bei der Ersatzolympiade erbrachten Leistungen standen jenen der offiziellen Spiele in nichts nach, jedoch wurde ihnen vergleichsweise wenig Beachtung geschenkt. Das angestrebte Ziel, mit den herausragenden Ergebnissen der Sportler die Ergebnisse der Olympioniken abzuwerten, konnte nicht umgesetzt werden. Viele der Athleten, die nicht zu den Spielen nach Los Angeles reisen durften, reagierten auf die Ankündigung der Ersatzolympiade wenig erfreut. Schließlich lagen bereits Monate der intensiven Vorbereitung hinter ihnen und nun wurde ihnen die Chance eines internationalen sportlichen Vergleiches genommen. Dennoch wurden mehrere Dutzend neue Weltrekorde in verschiedenen Disziplinen aufgestellt, der größte Teil davon im Gewichtheben.
01. August 2008
Im Jahr 1906 fanden in Athen außerhalb des sonstigen Rhythmus von vier Jahren Olympische Spiele statt.Hintergrund dieser Spiele war die Hoffnung Griechenlands, die Olympischen Spiele vor dem Hintergrund ihrer Entstehung und des Erfolges der in 1896 in Athen ausgetragenen Wettkämpfe dauerhaft an das eigene Land zu binden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde daher versucht, dieses Vorhaben im IOC durchzusetzen. Der damalige Vorsitzende, Pierre de Coubertin, wollte die Olympischen Spiele dagegen zu einer international frequentierten und angesehenen Veranstaltung etablieren; eine regelmäßige Austragung der Wettkämpfe in Athen würde dies jedoch deutlich behindern. Er schlug den Antrag ab, musste sich allerdings kurz darauf einem Kompromiss beugen. Dieser sah vor, den Zeitraum zwischen den Wettkämpfen auf zwei Jahre zu kürzen und die Olympischen Spiele immer im Wechsel in Athen und einer anderen Stadt stattfinden zu lassen. Finanzielle Engpässe behinderten die erste vorgesehene Durchführung der Spiele in Griechenland, die für 1902 angesetzt war. Für 1904 war die Austragung der Olympischen Sommerspiele bereits Chicago zugesagt worden (stattgefunden hat sie schlussendlich jedoch in St. Louis, Missouri), also wurde der neue Austragungsrhythmus erst 1906 eingeläutet.
Rund 900 Sportler reisten an, um sich in 15 Disziplinen zu messen. Viele der bis heute gültigen Rituale wurden bei dieser Veranstaltung initiiert. So begannen die Spiele erstmalig mit einer Eröffnungszeremonie, bei der die Aktiven mit ihrer Landesfahne in das Stadion einzogen, und die Sieger wurden zum ersten Mal mit der Vergabe von Medaillen und dem Spielen der Nationalhymne geehrt. Weiter wurden die Athleten gemeinsam untergebracht, woraus die Idee des Olympischen Dorfes entstand. Alle diese Neuerungen halten sich bis heute und prägen das Bild der Spiele.
Aus politischen Gründen wurden 1910 und 1914 keine Zwischenspiele in Griechenland abgehalten, und die Austragung kehrte zu ihrem althergebrachten Turnus zurück. Die Olympischen Zwischenspiele werden vom IOC bis heute nicht zu den offiziellen Spielen gezählt, weshalb die damals vergebenen Medaillen nicht in den ewigen Medaillenspiegel der Olympischen Spiele einfließen.
01. August 2008